IT.

Alle Inhalte in diesem Blog sind alleine meine persönliche Meinung. Insbesondere stehen die Inhalte in keinem Zusammenhang mit Fulbright oder dem US Department of State (Außenministerium).

Die erste Arbeitswoche an der University of Florida begann für mich nach dem kurzen und intensiven Ankunftswochenende zunächst ruhig und ungewiss, nahm dann aber rasant Fahrt auf. Die zahlreichen Eindrücke kann ich entsprechend kaum schildern, werde sie sicher aber in künftigen Beiträgen immer wieder reflektieren. Daher soll es zum Abschluss dieser ereignisreichen Woche vor allem um zwei Dinge gehen: Wie die Universität mich begrüßte und wie ich die Universität begrüßte. Wobei „mich“ in diesem Sinne nicht ganz richtig ist, da zeitgleich mit mir ein zweiter Gastdoktorand im Accounting-Fachbereich und meinem Büro anfing, dazu aber wann anders mehr.

Noch bevor ich das erste Mal überhaupt mein neues Bürogebäude betreten hatte (vorab dazu: der Accounting-Fachbereich hat ein ganzes, eigenes Gebäude), durfte ich mir meine Gator 1 Card abholen, den Universitätsausweis der praktisch für alle mit der Uni verbundenen Services notwendig ist. In meinem Fall bedeutet das insbesondere die kostenlose Nutzung des Bussystems (bisher noch nicht genutzt, mein Fahrrad ist mir zu lieb geworden) und der Zutritt zu unserem Gebäude außerhalb der Öffnungszeiten. Allerdings gab es hier einen Schreibfehler bei meinem Nachnamen (Friendrich), der den Prozess verzögerte und mich erstmal zwang, unverrichteter Dinge zu meinem Büro weiterzuziehen. Im Laufe des Tages sollte sich dies aber noch klären und ich konnte meine Gator 1 Card bekommen, Schlüssel für Büro und Aufenthaltsraum abholen sowie mich in die IT-Systeme eintragen.

Vor Mittwoch sollte ich allerdings nahezu vollständig auf mich allein gestellt sein, ich fühlte mich ehrlicherweise etwas verloren. Alle waren schwer mit dem Start des Semesters beschäftigt und die Sekretärin war entsprechend nett, aber kurz angebunden und gab mir zu verstehen, dass ich vor Mittwoch erst mal machen sollte, was ich wollte. Auch Zugriff auf meinen Computer sollte ich erst dann bekommen. Robert Knechel, mein Gastchef, kam mit einer Erkältung nur kurz vorbei und vertröstete ebenfalls auf die zweite Wochenhälfte. Nun kam aber ja sofort mein neuer Büronachbar hinzu, der ebenso verloren seinen Arbeitsplatz einnahm wie ich. Somit waren wir beide aber zumindest nicht auf uns alleine gestellt, sondern eben auf uns zu zweit. Und so begrüßten wir erst mal die Universität. Wir hatten nämlich aufgrund der Umstände Zeit die wichtigsten Bürobedürfnisse für uns abzustecken: Kaffee und Mittagessen. Schnell stellten wir in der Teeküche fest, dass eigentlich alles da war, die amerikanischen Universitätsmitarbeiter bei diesen Themen allerdings nicht so aktivistisch unterwegs zu sein scheinen wie wir es gewohnt sind: Der Kühlschrank war fast leer, Besteck und Teller waren nur in sehr kleinen Stückzahlen aus Plastik vorrätig und die Kaffeemaschine stand verstaubt in einem der Küchenschränke mit krummen Türen. Also rückten wir an, um das zu ändern. Schnell füllten wir etwa die Hälfte des Kühlschranks mit Lebensmitteln, besorgten Lappen, Handtücher, Teller, Messer, Kaffeefilter und -pulver und richteten uns somit eine Kaffeeküche ein, die es uns auch erlaubte, frische Zutaten zu einem mikrowellenfertigen Mittagessen zu verarbeiten. Seitdem wurden wir mehrfach auf unsere kochähnlichen Aktivitäten angesprochen („serious lunch business“) und haben erfahren, dass der Kaffeedurst unserer neuen Kollegen wohl in der Regel von Dunkin‘ Donuts gestillt wird. Eine leicht freudige Überraschung, dass es auch eine eigene Kaffeemaschine gibt, huschte zumindest bei einem der Doktoranden über sein Gesicht, als er uns beim Kaffeekochen traf.

Als wir uns nun also im Rahmen unserer Grundbedürfnisse angekommen fühlten, sollten wir überrascht werden, welch kontrastreiche Erfahrungen der Mittwoch brachte. Diesmal waren wir diejenigen, die begrüßt wurden. Ironischerweise kurz nachdem wir den Doktoranden mit der Kaffeemaschine bekannt gemacht hatten, fanden wir in unserem Büro einen Zettel der IT-Abteilung mit der Bitte um Rückruf. Es war 16:30 Uhr. In Darmstadt ist das Feierabend. In Gainesville heißt das, dass die IT-Experten fünf Minuten später zu zweit mit Tatendrang an die Bürotür klopfen. Mit erwärmender Freundlichkeit, klarer Kompetenz und schnellen Fingern wurden unsere Rechner in Betrieb genommen, E-Mail-Profile in Outlook geladen, Laufwerke und Drucker installiert. Alles kommt mit einer Anleitung, Nachfragen werden geduldig beantwortet und die Notfallnummer, die uns in die Hand gedrückt wurde, verspricht, Notfälle auch wirklich sofort zu lösen. Wir kamen aus dem Staunen ob dieses exzellenten IT-Services kaum raus, und dabei hatten wir noch nicht einmal festgestellt, dass jedem Laufwerke mit verschiedenen Zugriffsrechten, praktisch unbegrenztem Speicher und Datensicherung außerhalb des Gebäudes zur Verfügung standen. Und als ob noch ein Restzweifel daran bestehen sollte, dass uns die University of Florida schon in der ersten Woche umhauen würde, stellte die nette Dame der IT fest, dass mein Büro Nachbar noch Windows 8 hatte, ob er nicht auf Windows 10 upgraden wolle. Ungläubig fragte er, ob das wirklich ginge. Jaja, dazu müsste man seinen Rechner aber mitnehmen. Wie lange das denn dauert, fragte er zweifelnd, immerhin wolle er perspektivisch auch mit dem Rechner arbeiten. Wann fange er denn morgen an, erkundigte sich die nette Frau. Um 9 Uhr? Na dann würde man den Rechner auch etwa um diese Zeit vorbeibringen. Dass am nächsten Tag der Rechner tatsächlich pünktlich gebracht und aufgesetzt wurde, dürfte nun kaum überraschen. Allerdings mit einer Entschuldigung: Leider musste man den Rechner austauschen, das war der praktikablere Weg. Sorry, aber dafür ist er jetzt auch schneller. Der Donnerstag begann also erst einmal mit Sprachlosigkeit.

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