Alle Inhalte in diesem Blog sind alleine meine persönliche Meinung. Insbesondere stehen die Inhalte in keinem Zusammenhang mit Fulbright oder dem US Department of State (Außenministerium).
Inzwischen ist der Besuch meiner Eltern eine gefühlte Ewigkeit her, da sowohl die Gedanken und Gespräche als auch die Nachrichten und der Alltag inzwischen vom Geschehen um das Corona-Virus dominiert werden. Da ich aber dazu neige, die Dinge mit etwas Abstand zu betrachten und erst dann ausführlich zu analysieren, wenn sich auch meine Aufregung etwas gelegt hat (unter meiner Aufregung müssen hingegen dann meine engsten Kontakte hier in Florida und auch vereinzelt zu Hause leiden, das kann ich dem Blog-Publikum aber gerne ersparen), möchte ich mit etwas Verspätung von dem Roadtrip mit meinen Eltern erzählen. Das tue ich in der Hoffnung, dass die schönen Erlebnisse, die wir nichtsahnend von der nahenden Krise noch geradeso rechtzeitig auf gemeinsamer Rundreise teilen durften, dem ein oder anderen aktuell zu Hause eingeschlossenen ein bisschen warme Urlaubs- und Florida-Gefühle ermöglichen.
Nach den schönen Tagen in Gainesville (siehe den letzten Beitrag mit dem Titel „Besuch.“) waren wir bekanntermaßen reif für die Wärme und sind nach einem kurzen Stopp in Miami (der erste Teil der heutigen Story, die Dienstleister, beginnt hier) auf dem Weg ganz nach Süden gewesen, bis nach Key West. Bekanntermaßen gibt es dort ja den vorgeblich südlichsten Punkt des US-amerikanischen Kontinents und genau dort war auch unser Hotel gelegen, um uns unseren Drang nach Süden also bis zum Maximum zu erfüllen. Hier nahm der zweite Teil der heutigen Story, Hotelfrühstücks, seinen Höhepunkt, insbesondere weil es bei diesem Frühstück praktisch nichts aus Plastik gab. Nach zwei Nächten und einer weiteren Übernachtung in Key Largo machten wir uns auf den Weg durch die Everglades an die Golfküste. Bei diesem zweiten Abschnitt unserer weiten Reise durch ganz Südflorida begleitete uns der dritte Teil der heutigen Story dauerhaft, die Tiere. Neben diesen drei Storys hatten wir zwei treue Begleiter, die uns von Norden nach Süden und zurück nach Norden nicht aus den Augen ließen. Der erste Begleiter war die lokale Feuerwehr. Es gab tatsächlich nur einen Tag, an dem wir keines der silbrig-rot glitzernden Feuerwehrautos an uns vorbeifahren sahen, überholten, im Einsatz beobachteten oder einfach in seiner Garage bewundern durften. Der zweite treue Begleiter waren die Sonnenuntergänge, die natürlich an der Golfküste besonders schön sind, da dort die Sonne im Meer versinkt. Vielleicht liegt es an der schieren Anzahl der schönen Plätze in Floridas Süden, aber tatsächlich schienen wir rein zufällig jeden Abend einem schönen Sonnenuntergang beizuwohnen.

Unsere erste Story begann in Miami mit dem nettesten und ulkigsten Hotelier, den man sich vorstellen kann, und den man gerade deshalb nicht in Miami Beach erwarten würde. In den USA ist es ja durchaus üblich, dass insbesondere Bedienungen in Restaurants überfreundlich sind und wesentlich mehr mit dem Gast kommunizieren als wir es aus Deutschland gewöhnt sind. Dahinter steckt aber natürlich auch ein kapitalistischer Anreiz, da sie in der Regel hauptsächlich von ihrem Trinkgeld leben. Ganz anders war das allerdings mit Charlie, dem Gastbetreuer aus der französischen Schweiz, der sich herzallerliebst um seine wenigen Gäste in dem kleinen Boutiquehotel in der Nähe des Strands von South Beach, Miami, sorgte. In einem Kauderwelsch aus Englisch, das nach Französisch klang, Spanisch, das nach Französisch klang, Französisch, das wahrscheinlich nach Schweizerisch klang, und Deutsch, das er zumindest so ein bisschen beherrschte, umsorgte er emsig seine verschiedenen Gäste mit deren jeweiligen Muttersprache oder zumindest so etwas Ähnlichem. Es war eine große Freude, anzusehen, mit welcher Hingabe er das Frühstück zubereitete, die Koffer zu den Autos oder von diesen ins Hotel trug, mit dem Techniker wegen der Störung der Rauchmeldeanlage verhandelte (und dabei offenbar wirklich gar nichts von dem Problem verstand) oder abends kostenlosen schrecklich-süßen Weißwein in großen Gläsern auf die Terrasse reichte. Er wurde nicht müde zu betonen, dass er dies doch alles gerne mache, sonst ohnehin nur rumsitzen würde und deshalb dann doch lieber beschäftigt sei. Bis zum Ende unserer Reise dachten wir immer an Charlie zurück, wenn uns einmal ein griesgrämiger Mitbürger begegnete, und schon zauberte uns dies wieder ein Lächeln aufs Gesicht. Nach solchen Erlebnissen stelle ich mir umso mehr die Frage, warum es überhaupt Menschen gibt, die einander nicht positive, mit Hingabe und einem steten Lächeln begegnen, da es am Ende das Leben aller Beteiligter freundlicher und schöner macht.
Charlie hatte sodann natürlich auch einen Anteil als Koch an einem unserer Hotelfrühstücks, der zweiten Story dieses Roadtrips. Zunächst sitzt uns bis heute der Schock in den Knochen, wie viel unnötiger Plastik- und Papiermüll jeden Morgen in amerikanischen Hotels beim Frühstück erzeugt wird. Nur in den kleinen Boutiquehäusern bekommt man manchmal Porzellan und Metallbesteck, in jeglichen Ketten besteht mindestens ein Teil der Teller, Tassen bzw. Becher, und Besteckteile aus Plastik. Wie eine Gesellschaft so viel zu faul dafür sein kann, Spülmaschinen zu benutzen, dass sie in Kauf nimmt, dafür mehr zu zahlen (Plastikbesteck ist auf Dauer sicher nicht günstiger), darunter zu leiden (Jeder weiß, dass man mit einem Plastikmesser kein ordentliches Brot, ich meine natürlich Papptoast, bestreichen kann) und nebenbei die Umwelt zu zerstören, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Auf die Spitze geführt wird das amerikanische Hotelfrühstück nur dann, wenn der Pappteller vom „Essen“ einzig dadurch zu unterscheiden ist, dass er vor der Auslage und nicht in der Auslage liegt. Diese Erfahrung mussten wir zum Glück nur einmal machen. Toast, Pfannkuchen und Bagel (mehr gab es nicht) waren jedenfalls farblich und bezüglich ihrer Konsistenz nicht von den Papptellern zu unterscheiden. Von dieser Grauenerfahrung wurden wir bald aber erlöst und genossen dabei vor allem die Angewohnheit der Hotelketten in Florida, Waffeleisen und Fertigwaffelteig zur Verfügung zu stellen. Zwar würde man diesen Teig womöglich für ungesund und unappetitlich halten können, doch schmeckt eine dicke Waffel von verlässlicher Qualität, mit viel Sirup und im besten Fall zahlreichen anderen Garnituren (Schokostreusel und sogenanntes „Whipped Topping“, eine Art falsche Schlagsahne, die wahrscheinlich reiner Zuckerschaum ist) zu einem mäßigen heißen Kaffee an einem sonnigen Morgen in Florida einfach immer exzellent.
Florida, um zur dritten und letzten Story zu kommen, ist nicht zuletzt dank seiner Tiere einzigartig und hebt sich, wenn überhaupt, nur damit von anderen Zielen in den USA ab. In den Sumpfgebieten und Grassteppen, vor allem der Everglades, gibt es eine große Vielfalt an tollen Wat- und Wasservögeln, Schildkröten und Fischen und natürlich die faszinierenden Alligatoren, die sich im Süden der Everglades und Nordosten der Keys auf der Welt einzigartig mit Krokodilen treffen können (was allerdings offenbar als Tourist kaum zu beobachten ist). Die Strände werden von Delfinen und Schildkröten und lustigen Meeresvögeln besucht, die Kanäle von riesigen, sanften Seekühen bevölkert und im Süden streiten sich Pelikan und große Leguane darum, wer in der Sonne die schönere Figur macht. Dazu kommen Schlangen und Greifvögel bis hin zum majestätischen Weißkopfseeadler, die allerdings erheblich viel schwerer zu beobachten sind. So stellten wir sicher, dass wir bei zahlreichen unserer Ausflugsziele der Tierwelt ihren angemessenen Raum einräumten. Und dafür wurden wir auch belohnt. In einem mystischen Urwald auf den Key konnten wir eine Schlange sehen, in den Everglades konnten wir einen Alligator beim Jagen einer Schildkröte beobachten und selbst die Delfine kamen für uns bis an den Strand von Clearwater Beach, damit wir nicht das Risiko von Seekrankheit auf einem Ausflugsboot in Kauf nehmen mussten. Heimliches Highlight waren aber die Muscheln, die in Scharen an einige Strände der Golfküste gespült werden. Wir konnten nicht aufhören, auf der Jagd nach der schönsten und größten Muschel uns den Nacken zu verbrennen. Die Tierwelt Floridas hat uns fest in ihren Bann gezogen.
