Alle Inhalte in diesem Blog sind alleine meine persönliche Meinung. Insbesondere stehen die Inhalte in keinem Zusammenhang mit Fulbright oder dem US Department of State (Außenministerium).
Nach meiner Rückkehr von der Konferenz in Houston war ich durchaus erleichtert, in meine erste Woche zu starten, die aus einfachem Alltag bestehen sollte. Davon erhoffte ich mir die Möglichkeit, auch ein bisschen in einen alltäglichen Trott und Gewohnheiten hineinzukommen, die auf Dauer dann doch sehr angenehm sein können. Und gleichzeitig erlaubt mir das umso mehr, meine alltägliche Umgebung hier in Florida richtig schätzen zu lernen. Und die alltägliche Umgebung ist vor allem der weitläufige Campus, der gleichzeitig auch irgendwie das Herz der Stadt Gainesville ist und das ganze amerikanische College-Leben nahezu bilderbuchhaft vereint.
So gibt es eines der größten Football-Stadien der Welt. Etliche weitere Sportstätten für Freizeit- und Unisport. Backsteingebäude mit Efeu, die an die Ivy-League erinnern und damit auch gut zu den außergewöhnlichen akademischen und sportlichen Leistungen der Universität passen. Eine riesige Bibliothek und mehrere kleinere. Eine Kirche mit Glockenturm. Foodcourts mit All-you-can-eat und den üblichen amerikanischen Fastfood-Ketten. Breite Straßen und verwunschene Wege. Zahlreiche Häuser von Studenten- (Fraternities) und Studentinnenverbindungen (Sororities) mir großen, metallenen griechischen Lettern, die den Campus umranden. Verschiedene Museen und damit auch die meisten Sehenswürdigkeiten Gainesvilles (zumindest laut Lonely Planet). Und nicht zuletzt Lake Alice, einen großen See mit umliegendem Naherholungsgebiet inklusive Pfaden für Jogger und Spaziergänger, in dem auch so einige wilde Tiere leben.

Und jeden Morgen durchquere ich diesen Campus, der mir in kurzer Zeit schon sehr ans Herz gewachsen ist, einmal 3,8 Kilometer von Südwesten nach Nordosten. Und abends wieder zurück. Morgens geht es bergauf und ich komme immer verschwitzt, aber eben auch wach im Büro an. Abends geht es bergab und ich bin froh, nach einem langen Tag nicht auch noch strampeln zu müssen. Und inzwischen habe ich natürlich auch schone meine Lieblingsroute. Archer Road nach Osten; links auf den Gale Lemerand Drive; rechts auf die Museum Road; wieder links auf den Newell Drive; und dann kurz nach der Kirche quer durch den Park, rechts halten, zwischen den Gebäuden durch und dann bei dem Fahrradständer in der kleinen Bambusallee parken.
Und obwohl ich auf diesem täglichen Weg nun doch die ein oder andere interessante Beobachtung machen kann und inzwischen den Campus schon ganz gut kenne, sollte ich doch erst an diesem Wochenende Gelegenheit haben, zum ersten Mal in Ruhe das Gebiet um Lake Alice und die angrenzenden Museen und Sportanlagen zu besuchen. Die Hoffnung auf Alligatoren, weniger auf die ebenso heimischen Schlangen, war groß, wurde aber enttäuscht. Das lag womöglich am herrlichen Wetter, das den Reptilien möglicherweise noch ein bisschen zu frisch war. Nichtsdestotrotz genoss ich am Samstagvormittag mit meinem Fahrrad und zu Fuß den Weg am Seeufer, vorbei an einer weiteren kleinen Kirche, bis hin zum Rand eines kleinen Urwalds, der die typische Vegetation des nördlichen Floridas in voller natürlicher Pracht darstellte. Der etwas höher gelegte Holzplankenweg durch das Gestrüpp lies zwar darauf hoffen, dass hier einiges Getier lebt, welches nicht durch Trampler oder verrückte Radler wie mich gestört werden sollte. Ich ging aber als Wildtierbeobachter bis auf ein paar Watvögel dieses mal leer aus. Umso überraschter war ich, als ich nur wenige Meter nach Ende des Waldweges, zurück auf der nächsten geteerten Straße, feststellte, dass ich bereits an der Kreuzung von Museum Road und Gale Lemerand Drive angekommen war, also meiner Alltagsstrecke. So nah bin ich also jeden Tag am Urwald. Und an Alligatoren, auch wenn ich noch keinem begegnet bin. Energiegeladen von diesem kleinen Ausflug machte ich mich dann also schließlich auf ins Büro, um dort auch noch ein bisschen verträumt auf Efeu bewachsene Fassaden zu blicken. Alltag kann doch sehr schön sein, besonders auf einem großen Campus in Florida.

